FORSTSCHUTZSTELLE EBERSWALDE
   

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Buschhornblattwespen - Diprionidae
Die Larven der meisten Diprioniden leben in Gruppenverbänden zusammen. Sie reagieren auf Störungen mit Aufrichten des Vorderkörpers. Buschhornblattwespen-Larven, die an der Kiefer leben, werden von Vögeln meist nicht gern gefressen. Von einigen Arten ist bekannt, dass die Larve Terpene aus dem Harz ihrer Wirtsbäume im Vorderdarm speichert und zur Abwehr von Fraßfeinden nutzt: im Gefahrenfall scheidet die Larve ein Harztropfen oral wieder aus.

Gemeine Kiefernbuschhornblattwespe (Diprion pini)
Männchen (Körperlänge: 7 - 8 mm) meist schwarz; Weibchen etwas größer, gelb, an Kopf und Abdomen schwarz. Nur die Männchen schwärmen, die Weibchen legen reihenweise meist 10 bis 20 Eier in die vom Weibchen aufgetrennten Ränder der Kiefernnadeln ab, im Frühjahr in Altnadeln, im Sommer auch an neu gebildete Nadeln des jeweiligen Jahres. Gelbe Larve mit braunem Kopf und typischer "Semikolonzeichnung" neben den beiden Fußreihen, ausgewachsen etwa 2  cm lang. Die Larven fressen gesellig und wandern bei Nahrungsmangel an den Stämmen umher. Das letzte Larvenstadium spinnt sich in ein Kokon ein, in denen die Nymphen auch mehrere Jahre überliegen können und sich erst kurz vor dem Schlüpfen verpuppen. Die dunkelbraunen überwinternden Kokons liegen in der Nadelstreu, gehäuft in Stammnähe; die graubraunen Sommerkokons sind an Stämmen, Zweigen und am Unterwuchs angesponnen. Die Entwicklungsverhältnisse von D.pini sind unübersichtlich. Nebeneinander kommen einfache, doppelte und mehrjährige Generationen vor. Die Wespen der Frühjahrsgeneration schlüpfen vielfach in mehreren Wellen im Abstand von jeweils etwa 3 - 4 Wochen. Zeitige und warme Frühjahre sind oft die Ursache für die Ausbildung doppelter Generationen.

Diprion pini

Diprion pini frisst an der Gemeinen Waldkiefer, aber auch an Schwarzkiefer, Strobe u.a., bevorzugt an Bestandesrändern, in lückigen Beständen und sonnen-exponierten Lagen. Bei Massenvermehrungen werden alle Altersklassen befallen. Jüngere Larven lassen die Mittelrippe der befressenen Nadel stehen, Altlarven fressen die gesamte Nadel bis auf ein kleines Reststück an der Basis. Als Nahrung dient nur die Altnadelsubstanz, vor allem durch die Larven der evt. auftretenden 2.Generation fressen im Sommer auch die neu gebildeten Nadeln. Der Fraß verschont meist die Knospen, sodass der Austrieb im Folgejahr gewährleistet ist.

Die Art neigt zu kurz andauernden, flächigen Gradationen, die meist mit einem überraschenden, starken Fraß im Sommer/Herbst beginnen und häufig schon im darauf folgenden Sommer auf den jeweilig betroffenen Flächen zusammenbrechen. Die Nadelverluste sind vor allem im Herbst auffallend aber wenig gefährlich, so lange nicht andere Nadelfresser oder Folgeschädiger hinzukommen.

Neodiprion sertifer
An Kiefer kommt eine Anzahl anderer Buschhornblattwespen vor. Sie sind z.T. mit D.pini vergesellschaftet, treten aber auch allein massenvermehrt auf und verursachen Nadelfraß in oft erheblichen Umfang. Sie sind anhand der Larven bzw. deren Färbung gut zu unterscheiden. Dazu gehören vor allem die Arten der Gilpinia - Gruppe mit den meist grün gefärbten Larven und die Ähnliche Kiefernbuschhornblattwespe (Diprion similis ). Auch die rote Kiefernbuschhornblattwespe (Neodiprion sertifer , Abb. links) muss, obwohl sie mehr in jüngeren und mittelalten Beständen vorkommt, genannt werden, da sie gerade in den letzten Jahren augenscheinlich häufiger auftritt.

Dprion similis Fraß durch Blattwespenlarven Gilpinia spec.
Ähnliche Kiefernbuschhornblattwespe
Befall durch Neodiprion sertifer
Gilpinia spec.

Die Bekämpfung der Diprionidae allgemein und von Diprion pini im Speziellen sollte auf Ausnahmen beschränkt bleiben, da bei alleinigem Auftreten ein flächiges Absterben der Bestände kaum zu erwarten ist. Es gibt auch keine diesbezüglichen Hinweise in der Literatur.



   
   
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