FORSTSCHUTZSTELLE EBERSWALDE
   

Aktuelle und wissenschaftlich fundierte Beratung für den Waldbesitzer



Fragen aus der Praxis.....Fragen aus der Praxis.....Fragen aus der Praxis.....

FRAß DURCH SCHMETTERLINGSRAUPEN ODER BLATTWESPENLARVEN

Frage:
Wie geht man mit den zum Teil stark befressenen Kiefernbeständen um?
Antwort:
In jedem Fall keine übereilten Nutzungsmaßnahmen einleiten. Im Gegenteil - man sollte Nutzungsmaßnahmen generell zurückstellen, um abzuwarten, welche Bäume absterben. Danach sind unter Beachtung des Waldschutzes die Nutzungsmaßnahmen realisieren.

Frage:
Sterben die Bestände nach starkem Frühjahresfraß ab?
Antwort:
Nein. Das Regenerationspotenzial der Kiefernbestände ist erheblich. Bereits im Herbst setzt ein erster Wiederbenadelungsschub ein. Eine erste Aussage über das Absterben ist meist erst im nächsten Frühjahr möglich.

Frage:
Wie hoch ist die Gefahr des Auftretens von sog. „Folgeschädlingen“?
Antwort: Befall durch sog. Folgeschädiger aus den Reihen der Borken-, Bock- und Rüsselkäfer kann in allen Befallsgebieten o.g. Phytophagengruppen beobachtet werden. Es ist bis heute noch nicht eindeutig geklärt, ob der Baum durch den jeweiligen Folgeschädiger tatsächlich zusätzlich geschädigt wird und dann erst abstirbt oder der Baum bereits so stark durch den Nadelfraß geschädigt wurde, dass er auch ohne "Folgeschädigerbefall" abgestorben wäre. Eine saubere Abgrenzung der Schadwirkungen des Nadelfraßes und des Folgebefalls ist nicht möglich.
Pissodes-Arten (Kiefernrüssler) oder der 12 zähnige Kiefernborkenkäfer können gelegentlich auch ohne vorheriges Auftreten von Nadelfressern kleinflächige Ausfälle verursachen. Sie gelten deshalb als gefährlich. Gegenwärtig tritt in den Befallsgebieten der Nonne und des Kiefernspinners besonders auffällig der große Waldgärtner an Stämmen mit noch grüner Krone auf. Auch der Halgrubenbock wurde häufig festgestellt.


KIEFERNSPINNER


Frage:
Woran liegt es, dass trotz umfangreicher Kontrollarbeiten, Spinnerfraß immer wieder übersehen wird?
Antwort:
Massenvermehrungen entstehen immer autochthon an bestimmten Stellen im Gebiet. Dies geschieht jedes Jahr immer wieder an anderen Stellen. Die einzelnen Herde stehen nicht in Verbindung. Sie sind häufig sehr klein, sodass sie leicht übersehen werden. Beim Kiefernspinner kommt hinzu, dass die Junglarve durch den relativ geringen Nahrungsbedarf eher unauffällig in den Kronen frisst. Erst mit fortschreitender Entwicklung, etwa ab L 4, werden die Kronen in kürzester Zeit entnadelt.

Frage:
Sollten Herbst- oder Frühjahresbekämpfungsaktionen bevorzugt werden?
Antwort:
In jedem Fall sind Frühjahresbehandlungen effektiver.

Frage:
Rufen die Raupenhaare Allergien hervor?
Antwort:
Im allgemeinen nicht. Bei besonders allergieanfälligen Menschen können jedoch Hautrötungen und Reizungen der Nasen- und Mundschleimhäute auftreten. Auch Wärme fördert die Bildung von Ausschlag auf der Haut.

NONNE

Frage: Warum sind ein Teil der Nonnenfalter eigentlich mehr schwarz/grau als schwarz/weiß?
Antwort:
Das Auftreten genetisch bedingter dominant vererbter Dunkelfärbung nennt man Melanismus. Man unterscheidet je nach Intensität der Dunkelfärbung folgende Formen: nigra Fr., eremita Hbr. und atra Linstow, wobei meist eine exakte Trennung nicht möglich ist. Sie wurde bereits früher bei einer Reihe von Schmetterlingen nachgewiesen. Auch bei den Raupen tritt dieser Effekt auf. Er ist genetisch bedingt. Meist sind mehr Männchen von der Dunkelfärbung betroffen als Weibchen. Zu den Ursachen gibt es mehrere Erklärungsansätze. GÄBLER (1955) u.a. deuteten die Erscheinung als Folge der Einwirkung von Industrieimmissionen. Dies wurde jedoch rasch widerlegt, da auch in sog. Reinluftgebieten Melanismus auftritt. Es hat eher den Anschein, dass wir hier einen typischen Selektionsprozess vor uns haben. Die auffällig gefärbten Falter werden von Fraßfeinden eher gefressen als dunkle, unauffällige Formen. Diese überleben in höheren Prozentzahlen was dazu führt, dass im Verlaufe einer Gradation und möglicherweise auch von Gradation zu Gradation die Stammformen immer seltener werden.

 


   
   
Kontakt: Postanschrift: Prof. Dr. C. Majunke Schwappachweg 10, 16225 Eberswalde; E-mail: cmajunke@t-online.de
   

   
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